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18.12.2015

Neophytenbekämpfung zeigt Erfolge

In der Schwetzinger Hardt im Rhein-Neckar-Kreis hat sich in den letzten Jahren ein eingeschleppter Neophyt massiv ausgebreitet und bedroht die dort vorkommenden Waldgesellschaften. Ein Modellprojekt zur Bekämpfung zeigt jetzt erste Erfolge.

 

Ausgangssituation

 
Die „Amerikanische Kermesbeere“ sieht mit ihren schwarz-rot glänzenden Beeren eigentlich ganz harmlos aus. Doch an lichten und warmen Standorten kann sich der aus Nordamerika eingeschleppte Neophyt massenhaft vermehren und dann zu einem Problem für die heimischen Waldgesellschaften werden. „In einigen Bereichen der Schwetzinger Hardt steht die Kermesbeere inzwischen so dicht, dass die Naturverjüngung der Kiefern und Laubhölzer dort kaum noch eine Chance hat“, weiß der erfahrene Revierförster Gunter Glasbrenner. „Wenn wir zumindest auf ökologisch wertvollen Standorten hier nicht gegensteuern“, so Glasbrenner, „verlieren wir den Wettlauf mit dem eingeschleppten Überlebenskünstler auf breiter Fläche“.

 

 

Denn aus jeder Kermesbeere schießen nach einigen Jahren Wachstum im Durschnitt 10 Sprossen aus, an denen sich jeweils bis zu 15.000 Samen bilden können. Bei ungehindertem Wachstum lagern dann schon nach wenigen Jahren Unmengen von Samen im Boden, die an lichten Standorten zu einer invasiven Vermehrung der Kermesbeere führen. Die dichten Neophytenbestände verhindern dann, dass Naturverjüngung aufkeimt und sie verdrängen die einheimische Flora am Boden. Ohne Gegenmaßnahmen führen diese Effekte unweigerlich dazu, dass die in der Schwetzinger Hardt vorkommenden Waldgesellschaften mit der Zeit überaltern und der lichte Kiefernwald auf Dauer keine Chance mehr hat.


Neophyt konsequent bekämpfen

 

Dieser Bedrohung wollte das Kreisforstamt im Rhein-Neckar-Kreis nicht tatenlos zusehen und hat zusammen mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) auf einer 20 Hektar großen Fläche ein Modellprojekt gestartet, das bis 2017 laufen soll. Das Land Baden-Württemberg unterstützt dieses Projekt mit Mitteln aus ForstBW.
Jeweils im Frühjahr und im Herbst graben Pflegetrupps die Kermesbeeren mit einem Hohlspaten aus und sammeln sie auf Plastikfolien. Bei dieser schweißtreibenden Arbeit fallen pro Hektar mehrere Tonnen Biomasse an, die fachgerecht zu entsorgen sind. „Aber nur wenn es gelingt, mit konsequenten Maßnahmen die Samenbank im Boden zu erschöpfen, kann man den Kampf mit dem Neophyten am Ende gewinnen“, versichert Dr. Mattias Rupp von der FVA. Unter seiner Leitung führen Freiburger Wissenschaftler bei diesem Modellprojekt ein aufwändiges Monitoring durch, um den Erfolg der Maßnahmen zu evaluieren. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse aus dem im Frühjahr und Herbst 2015 durchgeführten Monitoring vor.


Maßnahmen zeigen erste Erfolge

 

„Mit unseren Maßnahmen können wir die Biomasse der Kermesbeeren um mehr als eine Zehnerpotenz verkleinern und eine erneute Aussamung auf der Fläche nahezu vollständig verhindern“, erläutert der Projektleiter Dr. Mattias Rupp von der FVA. Auch bei der für die Vermehrung so kritischen Samenzahl können die Wissenschaftler deutliche Erfolge messen. Während eine ausgewachsene Pflanze im Durchschnitt über 39.000 Samen bildet, schaffen es die nach den Bekämpfungsmaßnahmen neu ausgetriebenen Kermesbeeren nur auf 2.900 Samen. „Die Ergebnisse zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, bilanziert der Freiburger Wissenschaftler. „Durch die Bekämpfungsmaßnahmen können wir die Neophyten in ihrer Wuchskraft entscheidend schwächen. Aber jetzt kommt es darauf an, auch die Samenvorräte im Boden zu erschöpfen.“ Denn nur, wenn die Bekämpfungszyklen mehrfach wiederholt werden, kann man den Wettlauf gewinnen. Im Rahmen des Projekts werden drei Jahre lang die im Frühjahr und Herbst aufwachsenden Kermesbeeren ausgegraben, bevor sie zu Blüte kommen. Ob eine deutlich weniger aufwändige Methode auch Erfolg verspricht, wird parallel untersucht: Reicht es möglicherweise aus, die Wurzeln der Kermesbeere mit Stichen so zu schädigen, dass Bakterien oder andere die Pflanze schädigende Organismen eindringen und den Neophyten nachhaltig schwächen? Das hat bisher niemand untersucht und soll im Rahmen des Projekts ebenfalls erhoben werden. 


Überregionale Bedeutung

 

Die Ergebnisse aus dem Modellprojekt sind nicht nur für das regionale Waldschutzgebiet im Rhein-Neckar-Kreis von Bedeutung. Denn die Kermesbeere hat sich inzwischen in einem Gebiet zwischen Karlsruhe und der Pfalz sowie in warmen Nebentälern des Rheins ausgebreitet. Wenn Vögel die Samen der Kermesbeere verschleppen, könnte der Neophyt auch noch andere Regionen mit hohen Jahresdurchschnittstemperaturen und milden Wintern erobern. Die mit dem Klimawandel verbundene Zunahme der Temperaturen und Trockenheitsphasen werden das Risiko weiter erhöhen. Auch andere Neophyten haben eine ähnliche Wachstumsdynamik wie die Kermesbeere. Sie können längere Zeit in kleinen Populationen vorkommen, ohne zu stören. „Doch wenn ihre Zahl einmal eine kritische Schwelle überschritten hat, breiten sie sich exponentiell aus“, warnt Dr. Rupp. „Es ist deshalb entscheidend, diesen Zeitpunkt nicht zu verpassen.“


Fazit und Ausblick

 

Die Zwischenergebnisse des Modellprojekts zeigen: Mit konsequenten Maßnahmen lässt sich die Amerikanische Kermesbeere wirksam bekämpfen. Um eine überregionale Ausbreitung zu verhindern, genügt es jedoch nicht, den Neophyten nur lokal zurückzudrängen. Durch Vögel, Säugetiere oder Erdverschleppung kann sich die Amerikanische Kermesbeere immer wieder auch neu ausbreiten. „Alle Förster und Waldbesitzer sind deshalb gefordert“, so Dr. Mattias Rupp, „mit offenen Augen die Kermesbeere noch in ihrer Etablierungsphase zu erkennen und sofort entschlossen zu bekämpfen. Wenn die Pflanze einmal von einem linearen in ein exponentielles Wachstum übergeht, schnellen auch der Aufwand und die Kosten exponentiell in die Höhe.“

 

Fotos: Dr. Mattias Rupp, FVA

 

 

2.12.2015

Neue Schautafeln am Waldrand

Forstbezirksleiter Sebastian Eick, Hans-Martin Nuber vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Forstamtsleiter Dr. Dieter Münch, Revierförster Andreas Kolb und Bürgermeister Stefan Weisbrod freuen sich über das neue Informationsangebot (Foto: U.Riedl).

 

An verschiedenen Waldeingängen zur Schwetzinger Hardt will das Kreisforstamt die Bevölkerung mit neuen Schautafeln über die Besonderheiten des regionalen Waldschutzgebiets informieren. Die Gemeinde Reilingen ist dabei Vorreiter der insgesamt sieben Hardtwaldgemeinden. Am Heidelberger Weg unmittelbar am Waldrand und nahe der Bürgerbegegnungsstätte wurden jetzt die ersten Schautafeln aufgestellt. Sie zeigen, welche Areale als Erholungswald dienen, die durch Erholungswege erreichbar sind. Dargestellt sind ferner die dem Schon- und Bannwald vorbehaltenen Flächen. Ein zweiter Tafelteil stellt den direkten Bezug zum Gemeindewald her. Eingegangen wird auf seine Geschichte und ökologische Wertigkeit. Auch der 2002 eingeweihte Waldlehrpfad im Reilinger Eck findet sich wieder. 

 

Kleinod vor der Haustür

 

Bei einem Pressetermin vor Ort nannte Hans-Martin Nuber vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz die Schwetzinger Hardt „ein Kleinod vor der Haustür“. Zugleich hob er die überregionale Bedeutung für Baden-Württemberg hervor. „Die `Schwetzinger Hardt´ ist ein wesentlicher Bestandteil des Waldnaturschutzes im Land“, betonte er. Ihr besonderer Artenschatz sei einzigartig im Südwesten. Bedingt durch den sandigen Boden, das warme Klima und die menschliche Nutzung hätten sich in der Hardt wertvolle Biotope mit einer charakteristischen Flora und Fauna entwickelt. 20 Prozent des Ziegenmelker-Vorkommens seien dort anzutreffen. Auch seltene Pflanzen wie das Sandveilchen, die Sandstrohblume und das Winterlieb fänden hier einen Lebensraum.

 

Hardtgemeinden und Land ziehen an einem Strang

 

Der Leiter des Kreisforstamtes Dr. Dieter Münch freute sich über den Zusammenhalt der sieben Waldbesitzer Reilingen, Hockenheim, Oftersheim, Schwetzingen, Walldorf, Sandhausen und St. Ilgen, die gemeinsam mit dem Land „an einem Strang gezogen haben“, um das Waldschutzgebiet wahr werden zu lassen. Ein geschlossenes Waldgebiet von über 3.000 Hektar stehe damit in der Metropolregion und seinen Bewohnern zur Verfügung. „Die Menschen nehmen die Hardt als ihren Wald wahr und nutzen ihn“, stellte Dr. Münch fest. Sie kommen zum Spazieren, Radfahren oder Joggen und suchen im Wald Erholung und Ausgleich. Darauf gehe auch das bei der Öffentlichkeitsarbeit verwendete Logo ein: „Unser Wald - Schwetzinger Hardt“. Die große Herausforderung sei, die notwendige Balance zu halten und den Wald nachhaltig, maßvoll und weitgehend konfliktfrei zu nutzen.

 

Weitere Informationstafeln geplant


Von einem „großen Tag für unseren Schatz, den wir vor der Tür haben“ und einem „Höhepunkt zum Abschluss eines zehnjährigen Arbeitsprozesses“ sprach der Reilinger Bürgermeister Stefan Weisbrod bei der Vorstellung des Infopoints. Sein ausdrücklicher Dank galt allen Akteuren, die das „großartige Gemeinschaftswerk“ zu verantworten haben. An rund zehn wichtigen Waldeingängen der anderen Hardtwaldgemeinden werden in 2016 weitere Hinweistafeln aufgestellt.



28.10.2015

Neue Karte mit Reitwegen

 

Mit einer jetzt veröffentlichten Übersichtskarte informiert das Kreisforstamt im Rhein-Neckar-Kreis über alle Reitwege in der Schwetzinger Hardt. In dem rund 3000 Hektar großen Waldschutzgebiet ist ein fast 50 Kilometer langes Wegenetz speziell für Reiterinnen und Reiter ausgewiesen. „Wir bitten alle Waldbesucher zu Pferde, die mit einem Pferdekopf markierten Wege zu nutzen“, sagt Dr. Dieter Münch, Leiter des Kreisforstamtes. „Denn die Trennung der verschiedenen Nutzungsarten im Wald hat klare Vorteile.“ Auf den ersten Blick bietet das regionale Waldschutzgebiet genügend Platz für alle, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf dem Pferd Erholung suchen. „Aber an Ferientagen oder Wochenenden kann es auf den Wegen schon mal eng werden.“ Es besteht deshalb ein Reitwegegebot, das heißt: Wer hoch zu Ross die Hardt erkunden will, muss die ausgewiesenen Wege nutzen. Dabei appelliert das Forstamt in erster Linie auf das Verständnis der Reitenden. „Wir wollen nicht wie Verkehrspolizisten mit den Strafzettel durch den Wald laufen, sondern hoffen, dass wir mit dem attraktiven Reitwegenetz und der neuen Karte dazu das friedliche Miteinander der Menschen im Wald fördern“, so Dr. Münch.


Den neuen Reitwege-Flyer mit Übersichtkarte auf der Rückseite gibt es auf dieser Website zum Download und er liegt zum Mitnehmen aus bei Reiterhöfen in der Region sowie beim Kreisforstamt im Rhein-Neckar-Kreis. Dort kann der Flyer auch bestellt werden. Einfach kurze Mail mit vollständiger Postadresse an forstamt (@) rhein-neckar-kreis.de schicken.

Download Reitwegeflyer

16.09.2015

Brennholz: Bedarf jetzt anmelden!

 

„Wer Brennholz für den Eigenbedarf braucht, sollte sich jetzt die nötige Menge reservieren“, rät Dr. Dieter Münch, Leiter des Kreisforstamtes im Rhein-Neckar-Kreis. Ab Anfang Oktober werden in der Schwetzinger Hardt wieder Bäume gefällt und das Brennholz für interessierte Privatkunden zur Verfügung gestellt. Der überwiegende Teil des frisch geschlagenen Brennholzes wird „ab Waldstraße“ angeboten, wo es die Käufer dann selbst abholen können. Insgesamt liefert das regionale Waldschutzgebiet rund 3.300 Festmeter Brennholz pro Jahr. Das entspricht einem Heizwert von über 9 Millionen Kilowattstunden oder umgerechnet fast eine Million Liter Heizöl. Mit diesem umweltfreundlichen Brennstoff können rund 450 Familien in großen, gut isolierten Häusern ihren jährlichen Wärmebedarf decken.

Brennholz richtig trocknen und lagern

Allerdings sollte das frisch geschlagene Holz, das bis zu 50 Prozent Wasser enthalten kann, keinesfalls im gleichen Winter im Heizkessel landen. Denn feuchtes Holz brennt und heizt schlechter als trockenes, zudem qualmt und verrußt es den Ofen samt Schornstein. Nadelholz sollte auf jeden Fall mindestens ein Jahr, Laubholz mindestens zwei Jahre lufttrocken gelagert werden, damit der Anteil der Feuchtigkeit auf die gewünschten 15 bis 20 Prozent sinkt.
Wenn private Holznutzer diese Tipps beachten und das Holz richtig lagern, leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz: Denn nachhaltig produziertes Holz verbrennt klimaneutral und erzeugt keine zusätzlichen Treibhausgase. Bei der Verbrennung wird nur so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie die Bäume beim Wachstum der Atmosphäre entzogen haben.

Bedarf rechtzeitig anmelden

Das Interesse der Verbraucher an Brennholz ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. In der Region ist die Nachfrage inzwischen größer als das Angebot aus der Schwetzinger Hardt. Wer mit wohliger Holzwärme durch den Winter kommen will, sollte seinen Bedarf an Brennholz deshalb rechtzeitig beim zuständigen Revierförster anmelden. Brennholz aus den Revieren Walldorf und „Hirschhaus“ können Interessenten in Kürze auch bequem online bestellen: forstbw.de/produkte-dienstleistungen/holz/bhf.html

Kontakt zu den Revierförstern

Im Revier „Hockenheim“ mit Reilingen und Schwetzingen werden dieses Jahr keine festen Brennholztermine angeboten. Die Abwicklung läuft über die Sprechzeiten mittwochs und freitags von 13 bis 14 Uhr im Revierbüro von Andreas Kolb in der Continentalstr. 44 in Hockenheim.
Revierleiter Achim Freund vom Revier „Hirschhaus“, das für Sandhausen und Oftersheim zuständig ist, bittet alle Schlagräumer, ihm eine Mail unter achim.freund@rhein-neckar-kreis.de mit Wunschmenge, Rechnungsadresse und Telefonnummer zuzusenden. Sobald die entsprechenden Mengen verfügbar sind, nimmt er mit den Kunden Kontakt auf und vereinbart einen Vor-Ort Termin im Wald. Zusätzlich kann bei ihm Polterholz online bestellt werden.
Für das Revier „Walldorf“ bietet Gunter Glasbrenner drei Termine zur persönlichen Brennholzanmeldung im Rathaus Walldorf, Zimmer 101 an. Jeweils mittwochs von 16:00 bis 18:00 Uhr und zwar am 23. September, 21. Oktober und 25. November 2015. Auch hier bietet sich die online-Bestellmöglichkeit für Polterholz an.

 

Weitere Informationen: Brennholz-Flyer


 

14.07.2015

Mulchen nach Maß im regionalen Waldschutzgebiet „Schwetzinger Hardt“



 „Für die Wege im Waldschutzgebiet haben wir jetzt einen ausgeklügelten Mulchplan“, berichtet Revierförster Gunter Glasbrenner mit Blick auf die Maßnahmen an den Wegrändern im regionalen Waldschutzgebiet „Schwetzinger Hardt“. Bei Waldbesuchern sorgt das Mähen und Mulchen der Wegränder immer wieder für Irritationen, weshalb das Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises nun aufklären möchte. So bemängeln manche Waldbesucher, die Wege würden zu spät oder zu wenig von wuchernden Pflanzen am Rand befreit. Naturfreunde kritisieren zudem, dass beim Abmähen von Brombeeren, Gras und Brennnesseln manchmal auch eine seltene Pflanzenart betroffen sei oder Lebensstätten für Insekten verloren gehen könnten. „Beide Sichtweisen haben ihre Berechtigung“, räumt der Revierförster ein. „Aber wir Forstleute müssen einen Mittelweg finden und die Wege so naturverträglich wie möglich freihalten“, fügt Glasbrenner hinzu. Aus diesem Grund gibt es im regionalen Waldschutzgebiet „Schwetzinger Hardt“ nun einen Mulchplan, der die verschiedenen Ansprüche und Ziele ausbalanciert. Je nachdem, ob die Wege im Erholungswald, Schonwald oder im Bannwald verlaufen, werden sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten bearbeitet.

Während im Bannwald die Natur Vorrang hat und die Wegränder soweit möglich sich selbst überlassen werden, mähen und mulchen die Forstarbeiter im Sommer die eineinhalb bis zwei Meter breiten Seitenstreifen entlang der Haupterholungsachsen im Erholungswald und auch im Schonwald, wie beispielsweise am Walldorfer Sträßle, Reilinger-, Ketscher oder Fuhrmannsweg. Hier überwiegen die Interessen der erholungsuchenden Menschen, weshalb bei kräftigem Pflanzenwuchs auch ein zweites Mal gemäht wird. Auf den untergeordneten Wegen, vor allem  im 1.288 Hektar großen Schonwald, dürfen die Schlepper mit Mulchanbaugerät aber in der Regel erst ab Ende August oder Anfang September  rollen. Bis dahin können auf diesen Flächen alle Pflanzen wachsen, blühen und Samen bilden, Insekten Nektar sammeln und Raupen das Blattgrün fressen.

„Wir freuen uns, dass sich die Menschen der Hardtgemeinden für die Belange des Naturschutzes interessieren und mehr über die Zusammenhänge erfahren möchten“, so der Leiter des Kreisforstamtes Dr. Dieter Münch. Er bittet darum, bei Fragen oder Unklarheiten direkt die zuständigen Revierleiter anzusprechen. Diese sind gerne bereit, von der Abwägung zwischen den Wünschen der Erholungsuchenden, den Interessen des Waldnaturschutzes und der Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz zu berichten.

 
30.06.2015

Neophytenbekämpfung im Regionalen Waldschutzgebiet „Schwetzinger Hardt“:Spaten und Grabgabel bringen Licht in den Kiefernwald


Um den seltenen und gefährdeten Weißmoos-Kiefernwald in der „Schwetzinger Hardt“ zu erhalten, bedarf es großer Anstrengungen. Das Kreisforstamt und die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg sind dort derzeit wieder gefordert: Auf 24 Hektar entlang des Dünenzugs am „Hohen Stein“ geht es der eingeschleppten und sich aggressiv vermehrenden Amerikanischen Kermesbeere an die Wurzel.

Forstwirtschaftliche Maßnahmen werden selten wissenschaftlich untersucht, nicht so bei diesem Projekt.  „Wenn wir der aggressiv eingewanderten Kermesbeere nicht Einhalt gebieten, hat der ökologisch wertvolle Weißmoos-Kiefernwald in der Hardt keine Zukunft mehr“, ist sich Dr. Mattias Rupp von der Freiburger Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg sicher. An 50 Punkten wird in regelmäßigen Abständen untersucht, welche Pflanzenarten vorkommen und wie sich die Beschattung am Waldboden entwickelt. Durch dieses aufwändige Monitoring wollen die Freiburger Wissenschaftler ermitteln, welche Pflegemaßnahmen sinnvoll sind und wie sich Abläufe und Kosten optimieren lassen. „Wir sind die ersten in ganz Baden-Württemberg“, so Dr. Rupp, „die mit so einem systematischen Ansatz die Kermesbeere bekämpfen und parallel dazu wissenschaftliche Untersuchungen durchführen“. Da sich der Neophyt inzwischen in weiteren Regionen im Oberrhein ausbreitet, werden auch andere Waldbesitzer von den hier gemachten Erfahrungen profitieren.

Der ganze Aufwand verspricht jedoch nur dann den gewünschten Erfolg, wenn die Pflegetrupps die Neophyten auf der gesamten Projektfläche vollständig entfernen und in regelmäßigen Abständen wieder säubern. Im Staatswald am Reilinger Eck hat ein vierköpfiger Pflegetrupp in den letzten Wochen mit Spaten und Grabgabeln alle Kermesbeeren ausgegraben und auf grünen Plastikfolien zum Trocknen ausgelegt. Im Walldorfer Stadtwald sind Schüler eines örtlichen Gymnasiums und einer Förderschule dabei, den wild wuchernden Neophyt zu bekämpfen. „Das ist ein schweißtreibender Knochenjob“, erläutert der zuständige Forstrevierleiter Gunter Glasbrenner. Denn keinesfalls dürfen Samen oder Wurzelteile wieder in den Boden kommen, sonst treibt die Kermesbeere erneut aus. Die hoch aufgetürmten Pflanzenreste fallen vielen Waldbesuchern am Reilinger Weg auf. Und im Herbst müssen die bis dahin aufgewachsenen Kermesbeeren erneut entfernt werden. Was dann jedoch einfacher geht, da die frisch ausgetriebenen Pflanzen schwächer sind und mit wenig Aufwand einfach mit der Hand herausgezogen werden können. Bereits jetzt zeigen sich erste Erfolge: Auf der im Herbst 2014 bearbeiteten Probefläche ist es viel leichter, die Neophyten zu bekämpfen. „Am Ende der dreijährigen Projektlaufzeit“, so Revierförster Glasbrenner, „können wir die Kermesbeere mit überschaubarem Aufwand in Schach halten“. Die aktuell laufende Maßnahme kostet das Land über 13.000 Euro.

Hintergrund-Information zur Neophytenbekämpfung:

„Neophyten“ nennen Botaniker aus anderen Kontinenten eingeschleppte Pflanzenarten, die sich in ihrer neuen Heimat fortpflanzen und verbreiten. Teilweise -wie hier in der „Schwetzinger Hardt“ - sind sie so invasiv, dass sie für die vorhandenen Pflanzengesellschaften zum Problem werden. So hat sich die „Amerikanische Kermesbeere“ in den lichten Kiefernwälder der „Schwetzinger Hardt“ eingenistet und stellenweise ein schier undurchdringliches, etwa zwei Meter hohes Dickicht gebildet. Ebenfalls aus Nordamerika ist ein zweiter Einwanderer in das regionale Waldschutzgebiet eingedrungen: Die „Spätblühende Traubenkirsche“ erreicht vereinzelt bereits Wuchshöhen von über drei Metern. Der ursprünglich hier vorhandene „Lichte Weißmoos-Kiefernwald“ hat nur dann wieder eine Chance, wenn der Mensch diese Neophyten durch Pflegemaßnahmen zurückdrängt. Denn wenn sich die Neophyten weiter ausbreiten, verdunkeln sie die jetzt noch lichten Stellen im Kieferwald und die abfallenden Blätter und Beeren verändern die Nährstoffverhältnisse im Boden. Durch ihre aggressive Konkurrenz werden die hier standorttypischen Moose, Pilze, Krautpflanzen und Baumarten verdrängt. Das Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises in Neckargemünd hat deshalb zusammen mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) ein Pilotprojekt zur Erhaltung des Weißmoos-Kiefernwaldes in der „Schwetzinger Hardt“ ins Leben gerufen. Das im Herbst 2014 auf einer kleinen Fläche im Staatswald begonnene Projekt läuft insgesamt über drei Jahre. In dieser Zeit werden forstliche Pflegetrupps auf insgesamt 24 Hektar Waldfläche die Neophyten bekämpfen.