Aktuelles

Das Kreisforstamt und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie von Waldbesitzern beschäftigtes Personal und Dienstleistungsunternehmen setzen sich in vielfältiger Weise für die Wälder im Rhein-Neckar-Kreis ein. In der Öffentlichkeit wird vor allem die Holzernte wahrgenommen; viele andere Arbeiten finden eher unbemerkt statt. In einer losen Serie berichten wir deshalb über die „Waldpflege im Lauf des Jahres“.

 

25.04.2018

Waldverjüngung und Maikäferflug

Auf den sandigen Flächen in der Schwetzinger Hardt sind die Startbedingungen für junge Bäume alles andere als gut: Die Böden bieten nur wenige Nährstoffe und können das Wasser nicht so gut speichern. Ältere Bäume leiden außerdem unter starkem Befall durch Misteln und dem Fraß hungriger Insekten. Das führt in der Summe dazu, dass einzelne Bäume oder ganze Baumgruppen absterben. Auf diesen Flächen muss die Fortwirtschaft nachhelfen, dass hier wieder eine neue Waldgeneration entsteht.

 

  
Beim Monitoring entdecken die Förster im Frühjahr zum Ausflug bereite Käfer und Engerlinge der Waldmaikäfer.

Waldmaikäfer können großen Schaden anrichten

Dabei erschwert der Waldmaikäfer die Arbeit der Förster: Während seiner vierjährigen Entwicklungszeit lebt er drei Jahre lang als Larve im Boden und kann dort erhebliche Schäden an den Wurzeln der Bäume anrichten. Für dieses Problem müssen die Förster eine Lösung finden. Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel spielt in der Forstwirtschaft praktisch keine Rolle mehr und wird nur als letztes Mittel gewählt. Im Staatswald wird vollständig darauf verzichtet.

Naturverjüngung und Saat auf großer Fläche

„Wir begründen deshalb junge Bestände auf einer möglichst großen Fläche mit hohen Pflanzenzahlen“, erläutert Dr. Dieter Münch, Leiter des Kreisforstamtes. „Damit bieten wir dem Waldmaikäfer mehr, als er fressen kann. Die großen Pflanzenzahlen lassen sich am besten mit Naturverjüngung oder Saat erreichen.“ Auf den nährstoffarmen und trockenen Böden der Hardt ist die Kiefer häufig die am besten geeignete Baumart dafür. Außerdem nagt der Maikäfer bevorzugt an Laubbäumen und weniger an der Kiefer.

 


Wo möglich, soll der neue Wald durch Naturverjüngung entstehen. An manchen Stellen muss der Mensch durch Aussaat von Kiefernsamen nachhelfen.

Damit die jungen Kiefern am ehesten eine Chance haben, zu großen Bäumen zu wachsen, führen die Forstwirte und Förster zunächst ein intensives Monitoring durch. Mit dem Spaten heben sie stichprobenartig Löcher aus und suchen nach Engerlingen und Käfern. Dort, wo am wenigsten Tiere zu finden sind, liegen auch die erfolgversprechenden Flächen zur Begründung neuer Waldbestände. Das diesjährige Monitoring zeigt, dass es im nordöstlichen Teil der Hardt ein kleines Flugereignis gibt. Das ist ein guter Zeitpunkt für die Waldverjüngung. Denn nach dem Flugjahr bleiben dem Wald nämlich zwei Jahre zum Anwachsen, bevor die gefräßigen, dreijährigen Engerlinge an die Wurzeln gehen.

Gute Startbedingungen für den neuen Wald

In bereits aufgelichteten Waldbereichen hat ein Bagger vor dem Flug der Käfer von den Rückegassen aus Grasfilz, Laub- und Nadelstreu vom Boden abgezogen. Denn nur auf freigelegtem Oberboden finden die Kiefernsamen optimale Bedingungen zum Keimen. Zudem hält der blanke Boden die Maikäfer davon ab, hier ihre Eier zu legen. Wo nichts wächst, haben seine Engerlinge auch nichts zu fressen.
„Wir sind gar nicht bestrebt, den Waldmaikäfer auszurotten. Für uns ist es selbstverständlich, dass diese Art in trocken-warmen Regionen zur Lebensgemeinschaft im Wald gehört“, so Dr. Münch. „Die gelungenen Naturverjüngungen der letzten Jahre geben uns Hoffnung, dass auch mit dem Waldmaikäfer neue Waldgenerationen entstehen können. Allerdings braucht es dazu einen langen Atem. Doch der zahlt sich aus: Erfahrungen aus anderen Maikäfergebieten zeigen, dass die Population nach einigen Jahren bis Jahrzehnten zusammenbricht und der Befallsdruck nachlässt. Dann können auch auf heute noch hoffnungslosen Flächen neue Waldgenerationen entstehen!“

 

19.03.2018

Pflanzung eines Laubmischwaldes in der Rheinaue


Die Pflanzung von neuen Bäumen erfolgt Schritt für Schritt: Zunächst wird ein Pflanzloch gebohrt,  dann die Bäume eingepflanzt und mit Erde angefüllt. Zum Abschluss wird eine Wuchshülle zum Schutz der Pflanze angebracht. 


Vor der Pflanzung muss Platz geschaffen werden

Bereits im vergangenen Oktober hatten Forstrevierleiter Norbert Krotz und seine Waldarbeiter den Auftrag, am südlichen Rheinufer von Ketsch 80jährige Pappeln mit über einem Meter Durchmesser zu ernten. Dabei entstand auf einem Hektar Fläche Platz für die Begründung einer neuen Waldgeneration. An mehreren Stellen blieben Gruppen von Altpappeln stehen. Sie dienen beispielsweise als Höhlenbäume für den hier vorkommenden Schwarzspecht oder die Hohltaube. Das eingeschlagene Holz ist mittlerweile gerückt und verkauft. Ein Bagger hat in der letzten Woche restliche Kronenstücke und Stammteile auf der Fläche zusammengezogen und zu mehrere Meter hohen Häufen aufgetürmt. „Wir befinden uns hier im Überflutungsbereich des Rheins, südlich der Ketscher Rheininsel. Bei Hochwasser könnten die Holzreste mitgerissen werden und andernorts Schäden anrichten. Die vom Bagger aufgeschichteten Häufen sind massiv genug, um dem Hochwasser standzuhalten. Außerdem ist die Fläche auf diese Weise optimal vorbereitet, um von Hand die jungen Bäumchen zu pflanzen“, erläutert Norbert Krotz sein Vorgehen.

Auswahl geeigneter Baumarten

Ausführlich weist er die Waldarbeiter in die Pflanzfläche ein. Als erstes werden Eichen gepflanzt, in den nächsten Tagen folgen Schwarzpappeln, Purpur-, Korb- und Silberweiden. Die Eichen kommen in höher gelegene Bereiche, die nicht länger überflutet bleiben. Denn sie vertragen stehende Nässe nicht. Pappeln und Weiden werden die nassen Zwischenbereiche füllen.

Blick in die Zukunft gerichtet

Die Pappeln und Weiden werden einige Jahrzehnte, die Eichen vielleicht sogar mehrere hundert Jahre an dieser Stelle wachsen. Wie genau sich die klimatischen Bedingungen in dieser Zeit entwickeln, ist kaum vorhersehbar. Bei der Wahl der Baumarten wurde deshalb neben dem Pflegeplan des Naturschutzgebiets Ketscher Rheininsel und den gegebenen Bodenverhältnisse auch die Eignung der Baumarten in Bezug auf den Klimawandel berücksichtigt.

Stabile Mischbestände

Ziel der Förster ist es, stabile Mischbestände zu begründen. Das erlaubt es beim Ausfall einer Baumart, auf andere Arten auszuweichen. Der Waldbauer pflanzt also stets für die nachfolgenden Generationen und erntet das Ergebnis der Arbeit vorhergehender Generationen. Im Rhein-Neckar-Kreis werden zusätzlich zur Naturverjüngung pro Jahr 50.000 Waldbäume gepflanzt. Welche Arbeiten noch zwischen der Bestandbegründung und der Ernte anfallen, erfahren Sie in den kommenden Beiträgen.

 

Die oben beschriebene Pflanzaktion liegt nicht im regionalen Waldschutzgebiet Schwetzinger Hardt sondern rund drei Kilometer westlich davon im Auewald südlich der Ketscher Rheininsel. Die weiteren Folgen der Serie befassen sich aber mit Waldpflegarbeiten innerhalb der Schwetzinger Hardt.

 

13.03.2018

Geocacher aktiv für einen sauberen Wald!


Eine Gruppe Geocacher hatte sich Anfang März 2018 zu einem sogenannten „Cash in, trash out“ kurz „CITO“ verabredet. Das bedeutet: Im Gegenzug dafür, dass an einem Ort ein Cache installiert wird, sammeln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Wald Müll ein.


An einem Samstag-Vormittag trafen sich die Geocacher am Rand des Gemeindewalds Sandhausen. Sie zogen, unterstützt durch drei Mitarbeiter des Kreisforstamts, durch die Bestände zwischen den Sandhäuser Dünen und dem Stadion. Dabei kamen innerhalb von gerade einmal zwei Stunden einige volle Müllsäcke zusammen. „Wir haben Unmengen leerer Glas- und Plastikflaschen, Tüten und Taschen und beinahe ein vollständiges Fahrrad in Teilen gefunden“, wundert sich der Organisator Karsten Lehmkuhl. Er hatte das „CITO“ initiiert und neben der Entsorgung des Mülls durch die Gemeinde Sandhausen auch eine leckere Kartoffelsuppe zum Abschluss vorbereitet.

Vorbildlicher Einsatz

„Dieser vorbildliche Einsatz hat uns positiv überrascht, und wir haben uns kurzfristig entschlossen, auch daran teilzunehmen“, meint Dr. Dieter Münch, Leiter des Kreisforstamts. „Es ist uns von Seiten der für den Wald zuständigen Behörde ein Anliegen, Kontakt zu den verschiedensten Gruppen von Waldbesuchern zu bekommen. Dazu gehört natürlich auch der noch „junge“ Trend des Geocaching.“ Dabei ist natürlich auch wichtig, den Geochachern Informationen zur Verfügung zu stellen, was beim Geocaching im Wald zu beachten ist.

 



Regel für das Geocaching

Prinzipiell erlaubt das Landeswaldgesetz Baden-Württemberg das Betreten des Waldes auch abseits der Wege zur Erholung. Es gibt allerdings Einschränkungen zum Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen, was gerade in unserer dicht besiedelten Region eine besondere Bedeutung hat. Hierzu hat der Rhein-Neckar-Kreis für interessierte Personen eine Übersicht der Gesetze, Verordnungen und weiterer Bestimmungen, die das Geocaching betreffen, auf seiner Homepage eingestellt (siehe unten).

In den Schonwäldern, Bannwäldern und Naturschutzgebieten des Hardtwaldes ist Geocaching per Verordnung verboten. Auf den mageren Sandböden gedeihen seltene Pflanzen wie die Sand-Strohblume und findet der Dünen-Sandlaufkäfer die für ihn passende Nische. Es liegt also in der Verantwortung jedes Einzelnen durch sein Verhalten diese besonderen Schätze nicht zu zerstören! Das scheint auch zu funktionieren: die Verteilung der Caches im Hardtwald verglichen mit der Schutzgebietskarte zeigt, dass Bannwald und Schonwald von den Geocachern ausgelassen werden. Im Zweifelsfall können sich interessierte Personen natürlich auch direkt an das Kreisforstamt wenden.

Exkurs Geocaching:

Geocaching wird häufig als „digitale Schnitzeljagd“ ins Deutsche übersetzt. Die Teilnehmer müssen anhand von GPS-Koordinaten, manchmal auch in Kombination mit Rätselaufgaben, den „Cache“, ein geheimes Lager, finden. Ein Cache besteht meistens aus einem verschlossenen, wetterfesten Behälter, der ein Logbuch und Tauschgegenstände enthält. Die Finder tragen sich in das Logbuch ein und können einen neuen Tauschgegenstand hinterlassen.


Mehr Informationen zum Geocaching in der Schwetzinger Hardt

Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

Rechtliche Bestimmungen

Geocaching auf Website des Rhein-Neckarkreises